Was ist Aquascaping?

      Was ist Aquascaping?

      Aquascaping wie Naturaquarien entstehen

      Oder was ist Aquascaping Aquascaping beschreibt wie man mit verschiedenen Mitteln,
      darunter zählen Steine, Wurzeln und Pflanzen, aber genauso auch Technik, ein
      Aquarium stilvoll eingerichtet werden kann. Bei der Technik kommen
      immer mehr Wechselfarbende LEDs die an der Rückwand eingebaut sind
      zum Einsatz. Hiermit kann man die unterschiedlichsten Stimmungen
      sowohl im Aquarium als auch im gesamten Raum erzeugen. Genauso können
      aber auch Wasserfälle mit Hilfe von Pumpen realisiert werden.

      So sehen Aquascaper ihr
      Aquarium mehr als Kunstobjekt das sich in den Raum integriert und
      nicht als Fischbehälter. Natürlich werden auch die Tiere mit in
      dieses Kunstobjekt einbezogen. So erscheint ein Schwarm Salmler über
      einem flachen Layout, wie ein Schwarm Vögel über einer Wiese.

      Da sich das Aquarium immer
      weiter entwickelt, die Pflanzen wachsen, Fische können sich ihren
      Lebensraum selbst gestalten, braucht ein Aquascaper ein umfängliches
      Wissen über die Flora und Fauna die in sein Aquarium einziehen soll.
      So kann aus einer kleinen, zierlichen Pflanze aus der
      Händlerverkaufsanlage, eine große mächtige Solitärpflanze
      wachsen. Oder aber es handelt sich um eine sehr schnellwüchsige Form
      und dadurch wird ein ständiges schneiden, was mit enormen Aufwand
      und Zeit verbunden ist, von Nöten damit andere Pflanzen nicht
      verdrängt werden.

      Nach den ersten Worten soll
      aber niemand vor dem Aquascaping verschreckt sein. Hier soll ein
      kleiner Leitfaden vorgetragen werden der ein paar Stilrichtungen und
      Hilfestellungen geben soll, damit man auch mit einfachen Mitteln ein
      erstes Scape erfolgreich gestalten kann. Dazu gehört neben den
      unterschiedlichen Stilarten auch eine kleine Pflanzenkunde, gerade in
      Bezug auf den späteren Pflegeaufwand. Denn nichts ist schlimmer als
      wenn einem das Aquarium zur Last fällt. Es soll Spaß machen und so
      tastet man sich auch an schwierigere Aufgaben ran.



      Stilformen im Aquascaping

      Definieren wir kurz den
      Begriff „Naturaquarium“. Damit ist nicht ein natürliches
      Unterwasserbiotop gemeint. Eher handelt es sich um einen Teil oder
      Ausschnitt aus der Natur, Wälder, schroffe Gebirgswand,
      Küstenabschnitt, der als Vorlage dient und dann im Aquarium
      nachempfunden wird.

      Vorreiter der
      Naturaquaristik ist der Japaner Takashi Amano. Japaner lieben ihre
      Tradition und Landschaft. Bekannt sind die japanischen Gärten. Nun
      ist es aber so das in den japanischen Ballungszentren sehr wenig
      Platz vorhanden ist. Takashi Amano, der auch begeisterter Fotograf
      ist, lichtete viele Landschaftaufnahmen ab und kam dann auf den
      Gedanken diese Fotografien in seinen Aquarien als eine Art
      Miniaturlandschaft wieder auferstehen zu lassen.

      Da nun also ganze Szenerien
      in das Aquarium übertragen wurden, bekamen die festen Elemente um
      ein Aquarium ein zu richten einen viel wichtigeren Aspekt. Pflanzen
      zum wachsen zu bringen war mittlerweile kein Problem mehr. Ganz
      besonders bekannt waren dabei die holländischen Pflanzenaquarien.
      Bei diesen Aquarien wurden Pflanzen in großer Menge in das Aquarium
      eingebracht. Dabei wurde schon darauf geachtet das man
      unterschiedlich aussehende Pflanzen, in Wuchshöhe, Blattform und
      Pflanzenfarbe nutze. Diese wurden dann auch passend in
      „Pflanzenstraßen“ angeordnet. So haben die erfahrenden Alten
      Hasen wunderbare Pflanzenaquarien gezaubert. Steine und Wurzeln
      spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle.

      Das änderte sich nun
      grundlegend. Denn einer der wichtigsten Gestaltungsmöglichkeiten in
      der Naturaquaristik ist das so genannte Hardscape. Unter dem
      Oberbegriff Hardscape fast man alle Wurzeln, Steine und auch
      Kunststoffnachbildungen, z.B. die Rückwand, zusammen. So gab es in
      den letzten Monaten geradezu einen Boom der unterschiedlichsten
      Steine. Darunter befinden sich so ausgefallene Namen wie
      Minilandschaften, Drachensteine und Seegebirge. Mit diesen, teilweise
      sehr zerklüfteten Steinen lassen sich hervorragend Landschaften
      nachbilden. Genauso ist es auch mit den Hölzern. Hier kam im letzten
      Jahr Manzanitaholz mit dazu. Ein Holz das sehr tiefe Rillen hat, in
      diese sich super Moose einklemmen lassen. Auch ist die Farbe des
      Holzes sehr unterschiedlich. Teilwiese zeigt es weiße Stellen und
      kann auch durch Waldbrände schwarz gefärbt sein. Mit dieser neuen,
      großen Auswahl an Hardscape lassen sich nun fast alle Landschaften
      nach empfinden.

      Die Pflanzen umhüllen das
      Hardscape und geben dem Aquarium einen lebendigen Look. Dadurch das
      sie immer wieder nachwachsen, können sie das Aussehen der Landschaft
      verändern. Mit der Zeit überwuchern sie kleinere Steine, krallen
      sich mit ihren Wurzeln an den Wurzeln fest und entwickeln somit das
      Aquarium. Denn wir sind nicht in der Lage unser Vorbild eins zu eins
      zu kopieren. Lieber lehnt man sich an die Vorlage an. Das gibt dem
      Betrachter die Möglichkeit seinen Blick schweifen zu lassen und
      seine Phantasie spielen zu lassen. Evtl. erinnert er sich an seinen
      letzten Urlaub und kann so seinen Gedanken freien lauf lassen.
      Aquascaping in der Praxis

      Hat man sich nun entschieden es einmal mit einem Naturaquarium
      zu probieren, stellen sich natürlich einige Fragen.

      - Welche Technik kann oder sollte ich verwenden

      - Was möchte ich nach empfinden

      - Wie hoch ist der Pflegebedarf

      - Welches Hardscape

      - Welche Pflanzen kommen zum Einsatz

      Das erste Naturaquarium sollte vielleicht nicht gerade ein sehr zeitintensives
      und pflegereiches Aquarium sein. Daher kann man anstatt eine ganze Landschaft
      nach zu empfinden es mal mit einer Detailaufnahme versuchen. Einfach
      mal mit der Fotokamera in den Wald gelaufen und den Stammansatz
      einiger Bäume fotografiert. Auch dicke abgebrochene Äste die auf
      dem Waldboden verrotten geben ein tolles Bild ab. Vielleicht gibt es
      auch einen Steinhang der abgerutscht ist, oder ein alter
      Bombentrichter der von der Natur wieder zurückerobert wird. Das
      alles wären mögliche Szenarien die man in sein Aquarium übertragen
      kann.

      Bleiben wir aber bei dem Stammansatz. Evtl. handelt es sich dabei um
      einen alten Baum in der Mitte einer Lichtung der vor einigen Jahren bei
      einem Sturm abgebrochen ist. Vor dem Stamm hat sich Gras breit gemacht.
      Moos wächst zwischen den Wurzelansätzen den Stamm nach oben. An der
      Stelle wo der Baum abgebrochen ist, entstand eine kleine Pfütze.
      Dieser dient einem kleinen Farn als Wasserbehälter. Dadurch das die
      Baumkrone fehlt, können die letzten Samen des alten Baumes nun zu
      kleinen Bäumen keimen und wachsen durch das Sonnenlicht schnell in
      die Höhe.

      Na, kommt die Phantasie in Wallung? Diese Szene lässt sich hervorragend
      in ein Aquarium übertragen. Natürlich gehört ein gewisses
      Vorstellungsvermögen dazu. Und es wird auch etwas dauern bis man seine
      Traumwurzel gefunden hat. Evtl. will man auch noch Steine mit einbinden.
      Man fragt sich welche Pflanzen man nehmen will, bzw. welche
      Voraussetzungen sie brauchen, und entwickelt so einen
      Layout/Pflanzenplan.

      Das geht nun nicht einfach an einem Tag. Aber genau das gehört
      auch zum Aquascaping. Sich die Zeit lassen. Genau das zu finden was man
      sich vorstellt. Sich Herausforderungen zu stellen und sein Aquarium zu perfektionieren.
      So kann es auch mal mehrere Monate dauern bis man alles zusammen hat und
      die eigentliche Handarbeit anfangen kann.

      Der ein oder andere hat vielleicht nicht die Phantasie oder künstlerische Ader.
      Für den gibt es im Handel oder auf Internetseiten etliche schöne Aquarien zu
      bestaunen. Die wenigsten Aquarianer haben ein Problem damit das ihr
      Aquarium nachempfunden wird. Teilweise werden die Pläne wie das
      Hardscape angelegt ist und welche Pflanzen wo eingesetzt wurden mit
      veröffentlicht. So kann man sein erstes Naturaquarium natürlich
      auch aus einer dieser Vorlagen nachbauen. Mit der Zeit entwickelt
      sich dann oft ein Händchen für das richtige gestalten und man wagt
      den Schritt zu einer eigenen Komposition.

      Stellen wir nun für unser Stammaquarium einen Pflanzenplan zusammen
      und beleuchten die Pflanzen näher.

      Im Vordergrund würde man
      Lilaeopsis brasiliensis, die brasilianische Graspflanze zu einer
      schönen Wiese zuwachsen lassen.

      Der Übergang zum Stamm könnte man aus kleineren Cryptos realisieren.
      Diese geben mit ihrem breiteren, rötlichen Blättern einen schönen
      Kontrast zu der grünen Wiese.
      Auf den Wurzeln und den Stamm hoch bindend man etwas Fissidens
      fontanus und kann oben in den abgebrochenen Bereich noch Hemianthus callitrichoides "Cuba"
      das kubanische Perlkraut einsetzen.

      Hinter der Wurzel können nun unterschiedliche Stengelpflanzen genutzt
      werden. Hier empfehlen sich besonders die Rotala und Ludwigia Arten.

      Wichtig für alle Pflanzen ist eine ausgeglichene Menge an Licht, Nährstoffen
      und CO2. Nur wenn alles genügend vorhanden ist, können die Pflanzen
      kräftig gedeihen. Fehlt nur eines dieser Elemente können sich die
      Pflanzen nicht richtig entwickeln und die Gefahr von Algen steigt
      enorm.

      Da wir in unserem Beispiel sowohl schnell wachsende und lichthungrige
      Pflanzen, als auch langsam wachsende Schattenpflanzen verwenden,
      würde man folgende Werte anstreben.

      Beleuchtung:
      0,5 Watt pro Liter Wasser. (LED ca. 50Lumen pro Liter)

      CO2:
      20-25mg/l

      Ph:
      6,7-7,0
      Gh: 7-13
      Kh: 2-8
      Nitrat: bis 15mg/l
      Nitrit: Nicht
      nachweisbar
      Eisen (FE): 0,05-0,1 mg/l
      Phosphat (PO4):
      0,1mg/l
      Kalium (KA): bis zu 5 mg/l

      Durch
      die große Pflanzenmasse ist es von Nöten eine CO2 Anlage zu
      installieren. Um die CO2 Konzentration gleichmäßig zu halten würde
      ich eine Druckgasflasche der Bio- CO2 Herstellung immer den Vorzug
      geben. Des weiteren verbrauchen die Pflanzen die Nährstoffe wie
      Eisen, Kalium, Nitrat und Phosphat. Diese müssen durch Voll- und
      Makrodünger nachgeführt werden. Hier gibt es eine große Palette an
      Herstellern. Ich rate immer dazu bei einem Hersteller zu bleiben und
      nicht zu mischen. Auch sollte man bei einer Düngeserie eine zeit
      lang bleiben. Wenn das Aquarium gut läuft kann man gerne mal
      umschwenken und schauen wie man mit anderen Düngeherstellern
      arbeiten muss um das gleiche Ergebnis zu bekommen. Weitere wichtige
      Stoffe werden durch einen regelmäßigen Wasserwechsel aufgefüllt.
      Grundlegende Formen im Aquascaping

      Beim Aquascaping gibt es drei verschiedene Grundformen.
      Diese sollen hier vorgestellt werden. Dabei soll natürlich auch unser Beispielaquarium
      eingeordnet werden. Halten wir uns aber nicht zu streng an diese Grundformen.
      Es ist nur eine Ausgangsform. Hier kann man natürlich auch mit spielen und
      unterschiedliche Formen kombinieren. So entstehen immer wieder neue Layouts.



      Der große Seitenberg:

      Und schon genau hier würde ich unser Stammaquarium eingliedern.
      Dabei bildet die Wurzel die den Stamm nachempfindet und die dahinter
      wuchernden Stengelpflanzen den großen Berg. Dieser wird auf einer Seite
      des Aquariums angelegt und läuft dann über eine diagonale in die entfernte
      vordere Ecke. Um einen größeren tiefen Effekt zu haben, lässt man den Bodengrund
      von vorne nach hinten ansteigen. Dies kann auch sehr steil sein, so
      das man vorne lediglich 5cm und hinten 15-20cm Bodengrund hat.
      Natürlich lässt man den Bodengrund auch in der Länge des Beckens
      absinken.


      Die Doppelberge:

      Dabei handelt es sich um zwei kleinere Seitenberge. Diese werden im
      hinteren Bereich des Aquariums aufgebaut. Auch hier ist der Bodenanstieg zu beachten.
      Allerdings wird dieser meist nicht so stark ausfallen. In der Mitte
      wird ein Teil der Rückwand frei gelassen. Das ist der Tunnel der den
      Blick des Betrachters fangen soll. Durch ihn entsteht eine große
      Tiefenwirkung. Von diesem Fixpunkt kann man dann das Aquarium weiter
      entdecken. Wichtig ist allerdings das man die Berge nicht beide
      gleich groß macht. Hier kommt nun zum ersten mal der goldene Schnitt
      zum tragen. Der Durchblick zwischen den Bergen sollte außerhalb der
      Aquarienmitte sein. So wirkt die ganze Szene realistischer. Denn
      nichts ist unnatürlicher wie klare gleichbleibende Kanten.


      Die Insel:

      Ein schwieriges aber gern genutztes Layout. Oft werden die Seiten und der
      Vordergrund unbepflanzt gelassen. In der Mitte des Beckens türmt
      sich dann eine Insel auf. Hier wird im ersten Augenschein genau gegen
      den goldenen Schnitt gearbeitet. Allerdings ist es wichtig diesen
      genau bei der Insel wieder ein zu halten um einen Bruch in der
      Gleichmäßigkeit zu haben. Dann wirken diese Layouts in modernen
      Räumen sehr elegant. Gerade weil die Seiten durch die
      Nichtbepflanzung sehr aufgeräumt gestaltet sind. Natürlich kann man
      hier auch wieder spielen und Wurzeln in den sonst sauberen Bereich
      rein greifen lassen um eine gewisse Unruhe zu bewirken. Auch kann man
      mit kleineren Steinen aus den Hauptsteinen der Insel einen Ring um
      diese legen und auch den sauberen Bereich beschmutzen.


      Reversebepflanzung:

      Genau das Gegenteil von der klassischen Bepflanzung. Hier werden die großen
      Stengelpflanzen nach vorne gesetzt und je weiter man nach hinten in
      das Aquarium rein blickt, desto kleiner werden die Pflanzen. Also
      genau das wie es in der Natur auch ist. Die Sachen in der Ferne sind
      nun mal kleiner als das was ich direkt vor dem Auge habe. Klassisch
      wird hier die Form der Doppelberge genutzt. Diese sind dann halt nur
      um vorderen Bereich. Durch diese Anbringung der Pflanzen lassen sich
      Aquarien mit einer enormen Tiefenwirkung erzielen. Allerdings ist
      dies in meinen Augen die schwerste Form des Layouts. Erstens ist es
      schwer die Berge vorne zu gestalten, ohne das es so aussieht als
      Würde ein dicker Klumpen Erde an die Frontscheibe gepresst und zudem
      müssen die Pflanzen bis in die unteren Stellen mit Blättern gut
      ausgestattet sein. Soll heißen hier ist noch mehr Licht von Nöten.
      Auch muss diese Art ständig im Pflanzenwuchs zurecht geschnitten
      werden. Denn ein Fehler in der Pflanzengröße zerstört die Optik
      sofort und macht das Aquarium unansehnlich. Hierfür braucht es
      etliche Erfahrung und doch kann es leicht passieren das die ersten
      Versuche in die Hose gehen.


      Nachdem es erste Stimmen gab es gibt keine neuen Layouts mehr und man hätte
      schon alles gesehen, hat sich genau durch die Kombination und der künstlerischen
      Gestaltung einiges getan. So werden heute ganze Waldkronen
      nachempfunden. Der tiefe Blick in einen düsteren Wald erinnert einen
      an alte Kindermärchen, oder es werden Steine so angeordnet das sie
      alle auf einen Fluchtpunkt zeigen.
      Fokuspunkte im Aquascaping

      Bei den Grundformen schon mal angesprochen. Jedes Aquarium sollte
      über einen Fokuspunkt verfügen. Stellen wir uns vor wir betreten einen Raum
      in dem nun unser Beispielaquarium steht. Der Fokuspunkt ist in diesem Falle die
      mächtige Wurzel die ungefähr 1/3 des Aquariums einnimmt. Sie fällt
      einfach schon durch ihre enorme Masse auf. Sie fesselt also den Blick
      des Betrachters, regt erste Gedankenspiele an. Wie kann man so ein
      gewaltiges Ding in ein kleines Aquarium stecken? Warum schwimmt das
      Teil nicht? Vielleicht auch, wo bekommt man nur so was her? Von
      diesem fesselndem Fokuspunkt, zu dem der Blick immer wieder hin geht,
      wird er nun das Aquarium weiter erforschen. Der Blick wird den Stamm
      runter wandern, über die Cryptos mit ihren evtl. ledrig wirkenden.
      Rötlichen Blättern auf die dichte Wiese herunter. Auch hier stellt
      er sich wieder die Fragen. Wie bekommt man einen englischen Rasen
      unter Wasser? Warum wirken die Cryptos so kräftig, silbrig? Dann
      geht es wieder über die Wurzel an das Kubaperlkraut. Wie hält das
      nur auf dem Holz und warum wächst das wie ein Wasserfall nach unten?
      Da ist doch gar keine Erde. Und weiter geht’s zu den
      Stengelpflanzen. Die wirken sehr gesund und zwischen den grünen
      Blättern ist evtl. die ein oder andere rötliche Pflanze zu
      entdecken. Gibts da evtl. noch andere Pflanzen in dem Busch? Ach nein
      da verstecken sich die vielen bunten Garnelen. Mensch was sind die
      unterschiedlich. Klasse jede etwas anders. Man könnte sie alle mal
      zählen und jeder einen Namen geben.

      Das ist die Funktionsweise der Fokuspunkte. Jetzt können Fokuspunkte aus
      den verschiedensten Sachen bestehen. Mal ist es die Wurzel, dann ein besonders prächtiges
      Exemplar einer Pflanze, oder auch ein ganzer Busch Pflanzen, ein tief
      zerklüfteter Stein den der normale Mensch nicht kennt und so weiter.
      So fängt man leicht den Betrachter und lässt ihn das Aquarium vom
      Fokuspunkt aus erkundschaften. Wichtig ist nur das es harmonisch
      aussieht. Das habe ich oben schon beschrieben. Setzt man einen
      Fokuspunkt durch Pflanzen ist dieser natürlich immer schwieriger bei
      zu behalten, da die Pflanzen ja wachsen und nicht wie ein Stein oder
      eine Wurzel eine feste Form haben und nur drauf geachtet werden muss
      das sie nicht zu wuchern.


      Freiräume im Aquascaping

      Freiräume sind genau das Gegenteil eines Fokuspunktes. Man soll ja
      nicht von einem Fokuspunkt in den nächsten gezogen werden.
      Freiräume kann man also als Ruhepunkte im Aquarium sehen.

      Dennoch sind sie sehr wichtig. Denn erst durch die Freiräume entsteht
      eine Tiefenwirkung. Hier sei noch mal an die beiden kleinen Berge erinnert.
      Der Zwischenraum ist hier der Freiraum. Hier werden sich die Fische gerne
      aufhalten. Denn hier ist Platz. Der Schwarm Fische/Vögel steht also
      zwischen den Bergen und sammelt sich für seinen Zug nach Süden.

      Lässt man im Aquarium keinen Freiraum so geht einem schnell die Tiefenwirkung verloren.
      Zwar hat man einen guten Pflanzenwuchs und alles ist tippi toppi,
      aber das Aquarium kann schnell langweilig oder zugestopft aussehen.
      Oft bekommt man dann in den Foren zu lesen: „ Mensch das sieht
      Klasse aus, genau wie in einem Dschungel.“ genau das ist es was man
      als Aquascaper meistens nicht hören will.


      Der Goldene Schnitt im Aquascaping

      Der Goldene Schnitt war vor 3-4 Jahren die wichtigste Voraussetzungen für ein Naturaquarium.
      Was ist und beschreibt dieser Schnitt nun? Im Grunde soll er eine Art
      Hilfe für Neueinsteiger sein. Man unterteilt sein Aquarium in
      unterschiedlich große Teilbereiche. Diese Teilbereiche sind immer im
      Verhältnis 3 zu 2 angelegt. Man beginnt mit dem ganzen Aquarium und
      teilt es in diesem Verhältnis. Jetzt kann man die beiden Teile des
      Aquariums immer wieder mit dieser Grundformel weiter teilen. Hat man
      sein Aquarium so nun bildlich geteilt, kann man das Hardscape und die
      Pflanzen in die einzelnen Rechtecke einsetzen. Das ist die einfachste
      Möglichkeit einen natürliches Aussehen zu erreichen. Das liegt in
      der Natur des Menschen. Dieser Schnitt kommt uns einfach immer schön
      vor, recht egal was sich dann in den Planrechtecken befindet.

      Mittlerweile ist man aber in der Szene schon um einiges weiter und hält sich
      nicht mehr streng nach dieser Vorgabe. Es hilft einem aber immer mal wieder
      wenn man sich in seinem Layout vielleicht fest gefahren hat zu schauen ob man
      die Seitenverhältnisse eingehalten hat.
      Vordergrund im Aquascape

      Für den Vordergrund sind die Naturaquarien bekannt. Es war wahrscheinlich
      das was den Leuten als erstes aufgefallen ist als sie diese neue Art der Aquaristik
      gesehen haben. Es war ein völlig neuer Bereich des Aquariums, der
      nun mit Wasserpflanzen bestückt werden konnte. Früher war dies
      meist eine Sand- oder Kiesfläche, wo mal ein Stein lag, oder auch
      eine Tonröhre für Welse bzw. die Buntbarsche hin gelegt wurde. Nun
      wurden aber ganze Wiesen in den Vordergrund gepflanzt. Und mit den
      passenden Wasserparametern und der neuen Technik wurden diese auch
      noch schön dicht. Heute kennen wir etliche Vordergrundpflanzen. Sie
      helfen uns die Tiefenwirkung des Layouts zu verstärken. So kann man
      z.B. eine Straße niedriger Pflanzen bis nach Hinten an die
      Aquarienwand laufen lassen. Durch etwas höhere Pflanzen wird dieser
      Weg begleitet und schon wirkt das Aquarium um etliches Tiefer. Eine
      der beliebtesten Vordergrundpflanzen ist die Hemianthus
      callitrichoides „Cuba“, auch kurz HCC genannt. Sie ist die
      wahrscheinlich kleinst bleibende der Vordergrundpflanzen. Wichtig ist
      für sie allerdings ein genügend Vorhandensein von Licht. Daher
      empfiehlt es sich der Pflanze einen zweiten Leuchtbalken zu
      spendieren. Dann dankt sie es mit einem schnellen Wachstum, bei dem
      innerhalb kürzester Zeit ein prächtiger Teppich um Vordergrund
      entsteht.

      Eine weitere wichtige Vordergrundpflanze ist die Glossostigma elantnoides,
      das australische Zwergzungenblatt. Es ist bei der Bepflanzung sehr effektiv. Man zieht
      die einzelnen Pflanzen aus dem Topf heraus. Immer drei bis vier
      Pflanzen werden nun in den Bodengrund gesetzt. Die Pflanzen
      zueinander sollten einen Abstand von ca. 3cm haben. Die Glosso ist
      bei ausreichender Eisenversorgung noch schnell wachsender als das
      HCC. Allerdings ist es nicht einfach zu setzen. Daher sollte man
      seinen Vordergrund mit Soilpowder abdecken. So erhalten die Wurzeln
      schneller halt. Die Glosso wächst auch gerne übereinander und
      beschattet sich dadurch selbst ab. Hier muss man schnell genug
      eingreifen um ein absterben der unteren Pflanzen zu verhindern.
      Geschieht dies nicht rechtzeitig, kann sich der ganze Teppich lösen
      und an die Wasseroberfläche treiben. Das liegt einfach daran das die
      Wurzeln der neuen Pflanzen einfach keinen Halt mehr im Bodengrund
      finden.

      Weitere Vordergrundpflanzen sind:

      Eleocharis parvula

      Elatine hydropiper

      Marselia hirtusa

      Echinodorus tenellus

      Lilaeopsis brasiliensis

      Staurogyne repens

      Pogostemon helferi

      und viel Moosarten. Diese sollten auf Steine aufgebunden werden.

      Jeder Aquarianer hat schon davon gehört das man die Tiere nicht gleich
      einsetzen soll. Das gilt, neben der Vorsicht für die Tiere,
      besonders bei Vordergrundpflanzen. Diese Pflanzen haben natürlich
      kein besonders großes Wurzelwerk. Daher ist es wichtig das die
      Pflanzen richtig in den Bodengrund eingewachsen sind, bevor man
      gründelnde Fische oder Garnelen ein setzt. Diese würden die
      Pflanzen sonst heraus ziehen und das Becken nach ihren Vorstellungen
      umgestalten.

      Es sei aber noch mal gesagt das die bepflanzte Vordergrund kein Muss für
      ein erfolgreiches Layout ist. Auffällige Steine, oder auch noch eine
      feine Sandschicht können in ein Layout sehr gut herein passen. Es
      liegt in der Hand des Aquarianers und dessen Vorstellungskraft
      welcher Vordergrund für sein Vorhaben der Beste ist.


      Mittelgrund im Aquascape

      Hier beginnt nun die volle Vielfalt der Pflanzen. Es gibt etliche Pflanzen
      die man in den Mittelgrund setzen kann. Neben Rhizompflanzen kann man auch
      Stengelpflanzen gut in die Mitte setzen. Stengelpflanzen verzeihen
      einem sehr viel. So kann man sie recht schnell hintereinander
      schneiden und immer in der passenden Höhe halten. Oft, wie auch bei
      unseren Beispiel findet man das Hardscape in der Mitte des Beckens.
      Eine der wichtigsten Aufgaben liegt in der Verbindung aus dem
      Vordergrund zum Hintergrund. Es ist eine Kunst die Übergänge so zu
      gestalten das es keinen Bruch im Layout gibt, das Aquarium aber auch
      nicht langweilig daher kommt. Meistens hält man sich daher an die
      Vorgabe die Mittelpflanzen in ihrer Blattstruktur oder Blattfarbe
      anders zu wählen als den Vordergrund.

      Eine weitere Aufgabe kann es auch sein die kahlen Stängel im Hintergrund
      zu kaschieren. Wachsen die Stängel im Hintergrund bis fast an die Wasseroberfläche,
      so gelangt nur noch wenig Licht nach unten. Dadurch passiert es
      häufig das das untere Drittel der Stängel kahl ist. Das wäre kein
      schöner Anblick. Durch eine geschickte Auswahl der
      Mittelgrundpflanzen kann man diese kahlen Stellen aber sehr gut verdecken.


      Hintergrund im Aquascape

      Der Hintergrund ist der Abschluss eines gelungenen Layouts. Meist wird er durch
      Stengelpflanzen realisiert. Diese werden durch häufiges schneiden
      immer wieder zurecht getrimmt. An den Schnittstellen treiben die
      Pflanzen, oft mit zwei neuen Stängeln, erneut aus. Den Abschnitt
      kann man zu Beginn noch wieder neu einsetzen. Irgendwann hat man aber
      seinen Hintergrundbusch so weit in Form gebracht das dieses nicht
      mehr möglich ist.

      Wichtig ist gerade beim Hintergrund die passenden Pflanzen zu wählen. Als Faustregel kann
      man sagen das man Echinodoren eher zu massiven Wurzeln setzen sollte.
      Nicht jedoch hinter feine verästelte Wurzeln oder gar frei im
      Aquarium. Häufig werden diese Pflanzen zu waren Monstern und müssen
      später aus dem Aquarium mit viel Arbeit und entstehendem Dreck
      entfernt werden.

      Auch sollte man drauf achten den Hintergrund nicht komplett zu verkleistern.
      Wie in den Gestaltungsmöglichkeiten schon beschrieben sind Freizonen sehr
      wichtig. Denn nur dadurch kann eine Tiefenwirkung erzielt werden.

      Mit zum Hintergrund gehören auch die Rückwände. Bitte die Finger von der Fototapete lassen.
      Jeder erkennt sofort das es sich hierbei um ein Foto handelt, was
      dabei auch noch das harmonische Zusammenspiel von Hardscape und
      Pflanzen zerstört. Lieber wählt man eine dunkle Lackfolie und
      bringt diese von Außen auf die Glasscheibe auf. Wer noch mehr
      Stimmung erzeugen will, der kann auch gerne Milchglasfolie verwenden
      und sich einen kleinen Kasten mit LEDs hinter das Aquarium bauen. So
      kann man Sonnenaufgänge und Untergänge programmieren. Ja sogar ein
      Abstimmen auf die von der Dame des Hauses gewählten Tischdekor ist
      möglich.
      Hardscape beim Aquascaping

      Wie schon anfangs erwähnt ist das Hardscape eines der wichtigsten
      Gestaltungsmerkmale der Naturaquaristik. Hier kann man sich voll austoben.
      Von glatten, fast polierten Steinen bis hin zu Steinen mit tiefer Struktur ist alles
      erhältlich.

      Genauso sieht es mit den Wurzeln aus. Ich kann von klobig wirkenden Mangrovenwurzeln bis hin
      zu feinst verästelten Moorkienwurzeln so ziemlich alles verwenden.

      Allerwichtigste Regel bei der Auswahl des Hardscapes. Nicht zu klein wählen. Was am Anfang als
      sehr schön und harmonisch wirkende Komposition aussieht, kann sich
      in 3-4 Wochen zu einem reinen Pflanzenbecken umgestalten. Während
      die Pflanzen mit der Zeit immer größer werden überwuchern sie die
      Steine die wir gewählt haben. Greift man nun zu kleineren Steinen
      oder Wurzeln, so kommt man mit der Schere schon gar nicht mehr nach.
      Hier können wir uns etwas Pflegezeit erkaufen, indem wir wirklich
      großes Hardscape auswählen.

      Ein weiterer wichtiger Punkt ist es nur eine Stein- oder Wurzelsorte zu verwenden.
      Natürlich können Steine und Wurzeln zusammen in einem Aquarium verwendet
      werden, aber es sieht mehr als unnatürlich aus wenn man Schiefer,
      Basalt, Drachenstein und Minilandschaften in seinem Layout vereinen
      will. Daher immer bei einer Sorte bleiben. Sollte mir die Menge die
      im Handel angeboten wird nicht ausreichen, so nimmt man das erst mal
      mit und bearbeitet eine andere Baustelle des Aquariums. So kann man
      sich sein Hardscape auch nach und nach zusammenkaufen.


      Aquascaping Schlussbemerkung

      Seid Jahren wird das Aquascaping immer beliebter. Wir haben einen Teil der Zusammenhänge
      unserer Wasserbiotope verstehen gelernt und sind damit in der Lage
      wunderschöne Unterwasserlandschaften zu kreieren.

      Ich hoffe ich konnte mit meinen Worten ihr Interesse an dieser Art der Aquaristik wecken.
      Trauen sie sich ruhig einmal ran. Sie werden sehen wie sie ihr neues
      Pflanzenaquarium in den Bann ziehen kann. Immer ist etwas in
      Bewegung, kleine Seitenausläufer der Pflanzen müssen mal wieder
      eingefangen werden, die Fische stehen in ihrer vollen Pracht über
      der Vordergrundwiese und das gesamte Aquarium macht einen Eindruck
      der Gesundheit.

      So wird ihr Aquarium zu einer Insel der Entspannung. Gerne sitzt man nach getaner Arbeit vor
      diesem Kleinod und lässt seinen Gedanken und Träumen freien Lauf.

      Genau das ist es was das Aquascaping vermitteln will. So ist das Aquarium nicht mehr nur ein
      Fischbecken, wofür man sich alle halbe Jahr mal wieder einen Tag
      frei nehmen muss um es auf Vordermann zu bringen.

      Die ganze Sache hat Hand und Fuß und macht einfach nur Spaß.

      Ich persönlich bin auf die nächsten Jahre gespannt was die aktiven Aquascaper
      an neuen Ideen in unsere Aquarien bringen. Ich bin der festen Überzeugung das wir die
      ein oder andere schöne Überraschung noch sehen werden.


      Gruß Christian